Aktuelles

30 Juni
2016

Deutsch-Französischer Journalistenpreis (DFJP) 2016 verliehen, fünf Sieger in fünf Kategorien

Großer Deutsch-Französischer Medienpreis an Jean Asselborn, bedrohte Presse- und Meinungsfreiheit Hauptthema bei der Preisvergabe

Im Rahmen einer feierlichen Zeremonie ist am Abend des 29.6. in Berlin der Deutsch-Französische Journalistenpreis (DFJP) vergeben worden. Die Auszeichnung wurde im Allianz Forum in den Kategorien Video, Audio, Textbeitrag, Multimedia und Nachwuchs verliehen. Zudem erhielt der luxemburgische Außenminister Jean Asselborn den Großen Deutsch-Französischen Medienpreis für sein Engagement gegen die Beschneidung der Presse- und Meinungsfreiheit in einigen Staaten Osteuropas, in der Türkei und darüber hinaus.

In seiner Rede vor mehr als 300 geladenen Gästen aus beiden Ländern sagte der Vorstandsvorsitzende des DFJP und Intendant des Saarländischen Rundfunks, Professor Thomas Kleist, Asselborn habe angesichts der aktuellen Entwicklungen in Europa in den vergangenen Monaten immer wieder deutlich gemacht, wo für ihn Grenzen überschritten werden. "In einer demokratischen Gesellschaft reicht es nicht aus, wenn Politiker und Intellektuelle die Wechselbeziehungen zwischen einem vereinten Europa und den Grundwerten von Frieden und Freiheit richtig einordnen können. Dazu bedarf es vielmehr auch eines breiten Konsenses in der Bevölkerung, das ist die eigentliche Lehre, die wir aus der Abstimmung zum Brexit ziehen müssen", sagte Professor Thomas Kleist. "Daher bin ich der festen Überzeugung, dass eine gemeinsame europäische Vision langfristig nur dann eine realistische Chance auf Verwirklichung hat, wenn es uns gelingt, aus dem politischen Raum einen realen gemeinsamen europäischen Kommunikationsraum zu schaffen. Hierfür brauchen wir europaweit unabhängige Medien sowie Journalistinnen und Journalisten, die diese Vision tagtäglich als Arbeitsauftrag verstehen. Auch der Deutsch-Französische Journalistenpreis sieht sich in seiner langjährigen Tradition genau diesem Ziel verpflichtet“, so Kleist weiter.
Der luxemburgische Außenminister betonte hingegen: „Die Presse muss die Regierungen kontrollieren und nicht die Regierungen die Presse.“ Natürlich müssten dabei Grundregeln eingehalten werden. „Aber diese werden durch allgemeine Gesetzgebung festgelegt und nicht durch einen parteipolitisch dominierten Medienrat“, erklärte Asselborn. „Die EU kann keinen Dialog über Grundrechte führen, wenn sie diese nach innen selbst verletzt.“
Der Botschafter der Republik Frankreich, Philippe Etienne, verwies demgegenüber auf die Bedeutung der Medien zur Lösung der aktuellen Vertrauenskrise. „Journalismus und Medien sind für das gegenseitige Verständnis in Deutschland und Frankreich von herausragender Bedeutung. In diesen für das europäische Projekt turbulenten, aber auch wichtigen Zeiten leisten sie einen wertvollen Beitrag zur Bildung einer europäischen öffentlichen Meinung.“
Gastredner für die Bundesregierung war der Erste Bürgermeister von Hamburg, Olaf Scholz, in seiner Funktion als Bevollmächtigter für die deutsch-französischen kulturellen Angelegenheiten. Scholz betonte: „Europa befinde sich in einer besonderen Situation. Die Bürger nutzen die Freizügigkeit, der Binnenmarkt sichert Arbeitsplätze und überall profitieren Regionen von EU-geförderter Infrastruktur. Dennoch gibt es auch Kritik und Skepsis. In Großbritannien hat eine Mehrheit der Bürgerinnen und Bürger für den Austritt gestimmt“. Die Medien hätten deshalb eine große Verantwortung. Scholz wörtlich über Jounalisten: „Sie sind diejenigen, die die Elemente einer Sprache Europas entwickeln. Sie schreiben, erklären und motivieren. Sie sind in der Lage, die Grenzen der Verständigung zu erweitern und Konsens zu vermitteln. Es geht es um politische Konzepte und um Kommunikation. Europa ist es wert, verstanden zu werden.“
Die Preise im Gesamtwert von 30 000 Euro wurden verliehen an:
• Christian Dassel und Clemens Gersch für „#jesuischarlie: Ein Hashtag und die Folgen“ (WDR, Kategorie Video)
• Pascal Dervieux für „Immigration en Allemagne : le tournant ?“ (France Inter, Kategorie Audio)
• Leo Klimm für „Chef-Köche“ (Capital, Kategorie Textbeitrag)
• Christian Beetz, Jakob Vicari, Jens-Uwe Grau und Tanja Schmoller für „Falcianis SwissLeaks“ (falciani-arte.info.tv, Kategorie Multimedia)
• Laetitia Grevers (in Zusammenarbeit mit Gabriela Herpell, Alex Rühle und Lorenz Wagner) für „Wir klingen alle so, als müsste uns irgendwer erlösen„ (Süddeutsche Zeitung Magazin, Kategorie Nachwuchspreis, mit der Unterstützung vom Deutsch-Französischen Jugendwerk).
Durch die Veranstaltung führte die ARD-Moderatorin Charlotte Maihoff; für die musikalische Untermalung und große Begeisterung sorgten die Zwillingsbrüder von „Zweierpasch“ mit ihrem deutsch-französischem HipHop. Die Verleihung wurde dieses Jahr von der Allianz Kulturstiftung und Villeroy & Boch besonders unterstützt.
Der Deutsch-Französische Journalistenpreis gehört zu den wichtigsten Medienpreisen in Europa. Er wurde 1983 vom Saarländischen Rundfunk ins Leben gerufen. Ausgezeichnet werden herausragende journalistische Arbeiten, die zu einem besseren Verständnis zwischen Deutschland, Frankreich und ihren europäischen Nachbarn beitragen. Mitglieder des Preises sind das Zweite Deutsche Fernsehen (ZDF), Deutschlandradio, France Télévisions, Saarbrücker Zeitung, ARTE, Deutsche Welle, SaarLB , Europe 1, Gustav Stresemann Institut, Le Républicain Lorrain, Deutsches Städte-Network, Radio France, Deutsch-Französisches Jugendwerk, Deutsch-Französische Hochschule, Fondation Robert Schuman, Stiftung Genshagen und der Saarländische Rundfunk als Federführer.

Weitere Informationen finden Sie im Internet unter www.dfjp.eu.
Weitere Informationen unter: www.dfjp.eu
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Twitter: @DFJP_PFAJ
Deutsch-Französischer Journalistenpreis
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16 Juni
2016

Bundesinnenminister Dr. Thomas de Maizière ist auf Einladung seines französischen Amtskollegen, Bernard Cazeneuve, am 15. Juni 2016 zu politischen Gesprächen nach Paris gereist.

Ihm wurde dabei die seltene Ehre zuteil, als deutscher Bundesminister an der Sitzung des französischen Kabinetts teilzunehmen. Außerdem führte de Maizière Gespräche mit Mitgliedern des Innen- und EU-Ausschusses des französischen Parlaments (Assemblée Nationale) und traf auf die aus Deutschland entsandten Polizisten, die die französischen Behörden bei der Gewährleistung der Sicherheit bei der Fußball Europameisterschaft unterstützen.
mehr: http://www.bmi.bund.de/SharedDocs/K...

15 Juni
2016

Kein Weg zu weit: Frankreichs Außenminister Ayrault besucht Steinmeier in Brandenburg

Außenminister Steinmeier und sein französischer Amtskollege Ayrault haben sich am Mittwoch (15.06.) in Brandenburg an der Havel getroffen. Im Mittelpunkt der Gespräche standen die Ukrainekrise und der Zusammenhalt in der Europäischen Union.

Willkommener Tapetenwechsel

Steinmeier und Ayrault kennen sich schon seit Jahrzehnten und haben in den unterschiedlichsten politischen Ämtern zusammengearbeitet - etwa als Franktionsvorsitzende der französischen Parti Socialiste beziehungsweise der deutschen Sozialdemokratischen Partei. Längst kann keiner mehr zählen, wie oft sie sich schon in ihren jeweiligen Hauptstädten besucht haben. Daher kam der Tapetenwechsel gelegen, als sich die beiden Außenminister in Steinmeiers politischer Heimat Brandenburg an der Havel trafen. Die Kulisse für die Gespräche bot das berühmte Dominikanerkloster Sankt Pauli.

Vor dem britischen Referendum

Die Delegationsgespräche drehten sich insbesondere um zwei aktuelle außenpolitische Themen. Gut eine Woche vor dem britischen Referendum über den Verbleib des Landes in der EU sprachen Steinmeier und Ayrault über die Gefahren durch rechtspopulistische und euroskeptische Strömungen in Europa. Beide waren sich einig, dass das Wiederaufflammen von Nationalismen am besten verhindert werden kann, indem die EU Handlungsfähigkeit beweist und zu vernünftigen Lösungen für die großen Herausforderungen unserer Zeit findet. Mit Blick auf das Referendum sagte Steinmeier: "Europa würde vieles fehlen, wenn Großbritannien sich für ein Austreten entscheiden sollte."

Umsetzung des Minsker Abkommens

Das zweite Thema steht schon allzu lang auf der Tagesordnung: Die Lage in der Ostukraine. Denn die Umsetzung der Minsker Friedensvereinbarung geriet zuletzt wegen der Uneinigkeit der Konfliktparteien zu Sicherheitsfragen und dem ausstehenden Lokalwahlgesetz ins Stocken. "Deutschland und Frankreich arbeiten mit aller Kraft daran, Fortschritte bei der Umsetzung des Minsk-Abkommens zu erzielen", so Steinmeier nach dem Gespräch. Gleichzeitig zum Brandenburger Treffen waren zu diesem Zweck Diplomaten aus Berlin und Paris nach Kiew gereist. Das gemeinsame Engagement für eine Lösung in der Ukraine verbindet die beiden Minister seit Beginn der Amtszeit Ayraults. Denn dessen erste Dienstreise führte ihn im Februar 2016 gemeinsam mit Außenminister Steinmeier nach Kiew.

Nach den Gesprächen unternahmen die beiden Minister noch eine gemeinsame Tour durch die Stadt Brandenburg an der Havel, inklusive Bootsfahrt. Denn wirklich guten Freunden zeigt man schließlich auch gerne sein Zuhause.

10 Juni
2016

Drittes Treffen der Europa-Abteilungen von Auswärtigen Amt und Quai d´Orsay in Berlin

Am 10. Juni 2016 fand in Berlin das jährliche Treffen der Europa-Abteilungen des Auswärtigen Amts und Quai d´Orsays statt. Auf der Tagesordnung standen aktuelle Themen der deutsch-französischen bilateralen Zusammenarbeit und der Europa-Politik. Unter Leitung der Abteilungsleiter, Pierre Lévy und Martin Kotthaus, sprachen die Teilnehmer über Migration, das bevorstehende britische EU-Referendum, hybride Bedrohungen, den Prozess zur Wiedervereinigung Zyperns und eine weitere Stärkung der Zusammenarbeit der auswärtigen Dienste Frankreichs und Deutschlands.

8 Juni
2016

6.deutsch-französischer Dialog zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit am 7. Juni 2016 in Berlin

Botschafter Joachim Bleicker, Beauftragter für die Beziehungen zu den Mitgliedstaaten der Europäischen Union und für die grenzüberschreitende Zusammenarbeit, empfing am 7. Juni 2016 seinen französischen Kollegen, Botschafter Gilles Favret, Ambassadeur pour les Commissions intergouvernementales, la coopération et les questions frontalières, zur 6. Sitzung des deutsch-französischen Dialogs zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit im Auswärtigen Amt. Beide Länder haben dieses informelle Gesprächsformat im Jahre 2009 eingerichtet, um Informationen über aktuelle Fragen der Kooperation der Grenzregionen auszutauschen und praktische Lösungen für Probleme zu initiieren, die einem noch engeren Zusammenwachsen des deutsch-französischen Grenzraums entgegenstehen. Zu den Teilnehmern des Dialogs gehören regelmäßig hohe Beamte und Mandatsträger der Bundesländer Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Saarland sowie der französischen Region Alsace-Champagne-Ardenne-Lorraine (künftig Région Grand Est).

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Die 6. Dialogrunde befasste sich vorwiegend mit dem Stand der Umsetzung der sog. Metzer Erklärung zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit, die die beiden Regierungsbeauftragten für die deutsch-französische Zusammenarbeit, Michael Roth, Staatsminister für Europa, und Harlem Désir, Staatssekretär für europäische Angelegenheiten, anlässlich einer hochrangigen Konferenz am 7. Juli 2015 in Metz unterzeichnet haben. Die Metzer Erklärung knüpft an die Saarbrücker Erklärung von 2013 an und enthält ein Arbeitsprogramm, dessen Schwerpunkte die Verbesserung der beruflichen Mobilität junger Menschen, die weitere Integration der Arbeitsmärkte im Grenzraum und die Vermittlung der Partnersprache sind. Die Erklärung setzt überdies politische Zielvorgaben für wichtige Projekte in den genannten Bereichen, außerdem auch zu den Themen Verkehr, Energie, Umwelt, Kultur, Gesundheit und polizeiliche Zusammenarbeit. Die genannten Themen waren auch Gegenstand der Beratungen beim 6. Dialog in Berlin. Für 2017 ist in Deutschland eine weitere hochrangige Konferenz zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit nach dem Vorbild von Saarbrücken und Metz geplant.

Metzer Erklärung vom 7. Juli 2015 zur grenzüberschreitenden Zusammenarbeit

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6 Juni
2016

Markus Ingenlath, Generalsekretär des Deutsch-Französischen Jugendwerks, erhält die Insignien eines Ritters der Ehrenlegion

Am 6. Juni erhielt Markus Ingenlath, Generalsekretär des Deutsch-Französischen Jugendwerks (DFJW), aus den Händen des französischen Botschafters, Philippe Etienne, die Insignien eines Ritters der Ehrenlegion.

In einer Feierstunde im Kreis von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern des Jugendwerks, von Partnern in Regierung und Gesellschaft und begleitet von seiner Familie nahm Herr Ingenlath die Auszeichnung entgegen. Der Botschafter würdigte seinen Lebensweg und seine Arbeit für die Zusammenarbeit von Frankreich und Deutschland, der er neue Impulse verliehen hat. Markus Ingenlath dankte und erzählte, wie wichtig ein längerer Aufenthalt in einem fremden Land sei um die aktuellen Debatten zur Flüchtlingsfrage und Willkommenskultur zu verinnerlichen. In einer sehr politischen Rede erläutere Ingenlath die gegenwärtigen und künftigen Herausforderungen der Arbeit des DFJW und umriss, welche Mittel ihm dafür zur Verfügung stehen sollten. Das Auswärtige Amt ist stolz auf die Auszeichnung für Herrn Ingenlath und gratuliert herzlich. Die Reden finden Sie im Anhang.

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1 Juni
2016

Bundeskanzlerin Merkel in Verdun

Auf Einladung des französischen Präsidenten François Hollande reiste Bundeskanzlerin Angela Merkel wird am 29. Mai 2016 nach Verdun. Sie nahm dort an der zentralen Gedenkfeier für den 100. Jahrestag der Schlacht von Verdun teil.
Anlässlich dieses Gedenktages setzten Bundeskanzlerin Merkel und Präsident Hollande ein neues Zeichen der Aussöhnung und Freundschaft beider Länder.
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11 Mai
2016

Bewerbungsaufruf: Gay-Lussac-Humboldt-Preis 2016

Der Gay-Lussac-Humboldt-Preis ist ein 1981 vom französischen Präsidenten Valéry Giscard d’Estaing und seinem Amtskollegen Bundeskanzler Helmut Schmidt auf Empfehlung der deutschen und französischen Forschungsministerien geschaffener deutsch-französischer Wissenschaftspreis.

Der im Dezember 1982 erstmals verliehene Preis soll exzellente Forscher auszeichnen, die sich durch herausragende Beiträge in der Wissenschaft einen Namen gemacht haben und die für die Zusammenarbeit beider Länder stehen.

Der Gay-Lussac-Humboldt-Preis wird vom französischen Hochschul- und Forschungsministerium an deutsche Forscher vergeben, die von französischen Forschern nominiert werden.

Der Preis wird vorzugsweise an zwei Forscher mit unterschiedlichem Profil verliehen und ist mit 60.000 Euro dotiert.

Der Preis wird jeweils an einen renommierten Forscher und einen Nachwuchsforscher verliehen. Die Bewerbungsfrist endet am 30. Juni 2016.

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3 Mai
2016

Deutsch-Französische Ministerreise in die Sahelzone

Außenminister Steinmeier und sein französischer Amtskollege Ayrault sind am 01.05. erneut zu einer gemeinsamen Reise aufgebrochen. Dieses Mal geht es in die afrikanische Sahelzone, nach Mali und Niger. Bei der Ankunft in Bamako sagte Steinmeier, der gemeinsame Besuch signalisiere im Namen der ganzen Europäischen Union Unterstützung für den malischen Stabilisierungsprozess.
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26 April
2016

Besuch von Staatsminister Michael Roth mit seinem französischen Amtskollegen Harlem Désir in Pristina

Deutschland und Frankreich als Vorbild für Aussöhnung und Integration

Europa-Staatsminister Michael Roth reiste vom 21. – 22. April gemeinsam mit dem französischen Europastaatssekretär Harlem Désir nach Pristina. Deutschland und Frankreich gehören zu den ersten Ländern, die Kosovo anerkannt haben. Roth und Désir haben mit ihrem Besuch ein Zeichen der Solidarität gesetzt.

In zahlreichen politischen Gesprächen, aber auch in Diskussionen mit Zivilgesellschaft und Studierenden machten die beiden deutlich, dass beide Länder als Beispiel für gelingende Versöhnung stehen, aber auch dass eine weitere EU-Annäherung des jüngsten Westbalkanstaates nicht nur ein Lippenbekenntnis sei.

„Wir stehen zu unserem Wort, dass die Länder des Westbalkan eine EU-Perspektive haben. Das erst kürzlich abgeschlossene Stabilisierungs- und Assoziierungsabkommen mit der EU ist ein wichtiger Schritt, der dies unterstreicht, und vor allem konkrete Verbesserungen für die Menschen bringen soll. Es bleibt aber noch viel zu tun: Die Länder des Westbalkan müssen entschiedener gegen Korruption, organisierte Kriminalität vorgehen, und sich unseren Werten verschreiben. Demokratie, Rechtsstaatlichkeit sowie unsere Grundrechte, zu denen auch der Schutz von Minderheiten gehört, sind nicht verhandelbar. Die EU ist eben eine Werteunion, und nicht nur ein Binnenmarkt,“ so Roth.

Den Auftakt bildete das Treffen mit dem kosovarischen Präsidenten Thaci. Es folgten Gespräche mit dem Premierminister Mustafa und dem Außenminister Selimi sowie dem Vorsitzenden des Auswärtigen Ausschusses Hoxhaj.

Mit dem kosovarischen Europaminister Bekim Collaku führten Roth und Désir nicht nur ein Gespräch, sondern traten auch zusammen vor die Presse. Roth machte deutlich, dass die innenpolitische Krise im Land durch einen ernsthaften politischen Dialog überwunden werden müsse.

„Die Bürgerinnen und Bürger haben verdient, dass die politisch Verantwortlichen das Land voranbringen. Die demokratische Auseinandersetzung zwischen Regierung und Opposition, aber auch die Einbindung der Zivilgesellschaft gehören zum Demokratisierungsprozess. Dieser kann ohne eine aktive und lebendige gesellschaftliche Diskussion nicht gelingen," betonte Roth.

Roth und Désir trafen auch Vertreterinnen und Vertreter der Zivilgesellschaft und diskutierten mit Studierenden.

„Nach dem Vorbild des deutsch-französischen Jugendwerks wird es schon bald ein regionales Jugendwerk für den Westbalkan geben. Das freut mich besonders. Nach wie vor ist das europäische Projekt mit großen Hoffnungen verbunden. Kosovo hat die jüngste Bevölkerung in Europa. Diese braucht eine Perspektive. Es gibt sehr viel Potential, dafür braucht es jedoch vor allem auch Arbeitsplätze", sagte Roth.

Die Bundesregierung hat 2014 mit europäischen Partnern den Westbalkan Prozess in Berlin ins Leben gerufen, um vor allem die regionale Zusammenarbeit zu unterstützen und zu fördern. Die nächste Konferenz in diesem Rahmen wird im August in Paris stattfinden.

„Die regionale Zusammenarbeit sowohl auf wirtschaftlicher als auch auf politischer und gesellschaftlicher Ebene ist für den Westbalkan von entscheidender Bedeutung. Mit der Konferenzreihe flankieren wir die Umsetzung vereinbarter Projekte. Darüber hinaus hat für Kosovo der Dialog mit Serbien eine besondere Bedeutung. Hier sind wir schon ein ganzes Stück weiter, aber beide Seiten sind gehalten, diesen Weg entschieden weiterzugehen, damit die Aussöhnung gelingt und Partnerschaft wächst," so Roth.

Vor Beginn des gemeinsamen Programms traf sich Roth mit Frauen aus der kosovarischen Politik. Mit ihnen führte er eine Diskussion über Geschlechtergerechtigkeit.
Außerdem besuchte er das Projekt „Voice for Roma, Ashkali and Egyptians“. Er verschaffte sich nicht nur einen Überblick über die Lebenssituation, sondern sprach auch mit Schülerinnen und Schülern, die der Roma Minderheit angehören.

„Die Minderheit der Roma gehört in Europa in die Mitte, und nicht an den Rand der Gesellschaft. Bildung ist der Schlüssel im Kampf gegen Armut und Ausgrenzung. Deshalb freue ich mich, dass es Projekte wie dieses gibt, die den jungen Menschen die Teilhabe an Bildung ermöglichen und so Hoffnung geben und Perspektiven öffnen," erklärte Roth.