Klischees über Franzosen, Deutsche und die deutsch-französischen Beziehungen

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Typisch deutsch - typisch französisch? (C) dpa/pa

Die Deutschen aus Sicht der Franzosen

  • „Die Deutschen sind umweltbewusster als die Franzosen“ Nicht beim Abfall: 2007 haben Franzosen und Deutsche fast dieselbe Menge Müll produziert (580 kg Abfall pro Kopf in Deutschland und 540 kg in Frankreich) (OECD, 2010).
  • „Die Deutschen fahren nur Mercedes oder BMW“ In Wahrheit sind die Deutschen beim Autokauf weniger patriotisch als die Franzosen. (In Frankreich liegt der Marktanteil der einheimischen Automobilhersteller bei 57,2 %, in Deutschland bei 49,3 % (Comité des constructeurs français d’automobiles).)
  • „Die Deutschen sind sparsam bis knickrig“ Tatsächlich ist die Sparquote der deutschen Haushalte (11,2 %) in etwa gleich hoch wie die der französischen Haushalte (11,6 %) (OECD, 2010).
  • „Die Deutschen trinken nur Bier“ Falsch! Deutschland liegt beim Weinverbrauch an vierter Stelle in der Welt nach den USA, Italien und Frankreich, mit einem jährlichen Pro-Kopf-Verbrauch von 26,3 Litern. Dem Volumen nach ist Deutschland übrigens der weltweit größte Weinimporteur. Mit Rebsorten wie Riesling, Müller-Thurgau, Scheurebe oder auch Schwarzriesling ist Deutschland auch Erzeugerland (http://www.ca-vinexport.com/).

Die Franzosen aus Sicht der Deutschen

  • „Die Franzosen streiken ständig oder machen Urlaub“ Das stimmt nicht! Die Franzosen arbeiteten 2009 1469 Stunden, die Deutschen dagegen nur 1309 Stunden. Die Deutschen konnten sich 2010 7,5 Wochen lang erholen, die Franzosen 7 Wochen lang (Eurostat, OECD, Alternatives économiques).
  • „Käse ist das Grundnahrungsmittel der Franzosen“ Wussten sie, dass der meiste Käse in Deutschland hergestellt wird, mehr als in Frankreich und Italien? (Direction générale des produits agricoles)
  • „Die Franzosen können keine Fremdsprachen“ In Deutschland wie in Frankreich ist die von den Jugendlichen am häufigsten gesprochene Fremdsprache Englisch (Deutschland: 92 %, Frankreich: 95 %). In Deutschland steht Französisch an zweiter Stelle (33 %), auch wenn Englisch mit großem Abstand führt. Ein Drittel der deutschen Jugendlichen kann also ein wenig Französisch. In Frankreich ist dagegen Spanisch die zweithäufigste Fremdsprache: Mehr als jeder zweite französische Jugendliche spricht wenigstens ein bisschen Spanisch. Deutsch rangiert auf dem dritten Platz (35 %) (Quelle: Studie von tns-sofres).

Die deutsch-französischen Beziehungen und Europa

  • „Franzosen und Deutsche haben in Europa das Sagen“ In der Europäischen Union werden die wichtigsten Entscheidungen einstimmig getroffen. Kein Land kann den anderen Ländern seine Sichtweise aufzwingen, es kann nur versuchen, sie zu überzeugen. Deutschland und Frankreich stimmen sich so weit wie möglich ab, um effizienter arbeiten und als Ideengeber für die anderen Mitgliedstaaten wirken zu können. Im Europäischen Parlament steht die Anzahl der Abgeordneten eines Landes in proportionalem Verhältnis zu seiner Bevölkerung, so entsenden z. B. Deutschland 99 und Frankreich 74 von insgesamt 754 Abgeordneten.

Vertrauen

  • „Das deutsch-französische Tandem hat sich überlebt“ Falsch! 72 % der Franzosen und 81 % der Deutschen glauben an den Fortbestand der deutsch-französischen Beziehungen (baromètre Paris-Berlin).
  • „Das deutsch-französische Tandem schließt Andere aus, Deutschland und Frankreich denken nur an die deutsch-französischen Beziehungen“ Nein, Deutschland und Frankreich denken nicht nur an die deutsch-französischen Beziehungen. Im Gegenteil, das deutsch-französische Tandem ist weltoffen: deutsch-französischer EuroCampus in Zagreb, das Deutsch-französische Kulturzentrum in Ramallah, Deutsch-französischer Menschenrechtspreis in Kolumbien usw.

Sprache und Studium

  • „Deutsch ist eine schwer erlernbare Sprache“ Vielleicht ist Deutsch schwer, aber da es mit dem Englischen verwandt ist, erleichtert es das Erlernen dieser Sprache! 22 % der französischen Schüler lernen heute Deutsch. Außerdem erhalten Schüler, die Deutsch lernen, bei der Teilnahme an Austauschmaßnahmen finanzielle Unterstützung durch das Deutsch-Französische Jugendwerk: Jedes Jahr unterstützt das DFJW mehr als 200 000 Schüler, die Deutsch als Fremdsprache gewählt haben, bei ihrem Austauschvorhaben in Deutschland und umgekehrt.
  • „Die Studenten beider Länder ziehen einen Aufenthalt in englisch- oder spanischsprachigen Ländern vor“ Immerhin sind mehr als 8000 deutsche Studierende in Frankreich und mehr als 6000 französische Studierende in Deutschland eingeschrieben.
  • „Deutsch bringt keine Vorteile bei der Arbeitsplatzsuche“ Falsch! Die Deutsch-Französische Hochschule verleiht jedes Jahr 1000 Absolventen ein Doppeldiplom, und 66 % dieser Absolventen finden in weniger als drei Monaten einen Arbeitsplatz.

Kultur

  • „Zwischen Deutschen und Franzosen bestehen große kulturelle Unterschiede“ Unterschiede, ja … aber die französischen und die deutschen Jugendlichen finden oft über die Musik zueinander: David Guetta, Paul und Fritz Kalkbrenner, Justice, DJ Thomas Bohnet, Zaz und Nneka machen bei jungen Franzosen, Deutschen und Europäern gleichermaßen Furore. Und in den deutschen Kinos laufen jede Woche 100 französische Filme!
  • „Einverstanden, ARTE ist gut … aber es erreicht nicht alle!“ Arte ist vor allem der einzige transnationale staatliche Fernsehsender und verfügt über eine innovative Internet-Präsenz. Und wussten Sie, dass der französische Fernsehsender M6 mehrheitlich der deutschen Bertelsmann-Gruppe gehört?

Wirtschaft

  • „Deutschland und Frankreich haben jeweils ihre eigenen Interessen im Blick“ Dies ist unmöglich: Deutschland und Frankreich sind auf dem Arbeitsmarkt sehr stark miteinander verflochten: 400 000 Arbeitsplätze in französischen Unternehmen in Deutschland, 300 000 in deutschen Unternehmen in Frankreich.
  • „Die Deutschen investieren nicht in Frankreich“ Deutschland ist der wichtigste Handelspartner Frankreichs. Und viele als „deutsch“ bekannte Produkte werden in Frankreich hergestellt: Der Smart wird in Hambach im Departement Moselle produziert, und HARIBO France ist die größte Tochtergesellschaft des HARIBO-Konzerns (750 Arbeitsplätze). Auch die deutschen Touristen in Frankreich sind von großer Bedeutung: Mehr als 70 Millionen Übernachtungsgäste kommen jedes Jahr aus Deutschland nach Frankreich!

Im Alltag

  • „Trotz 50 Jahren deutsch-französischer Zusammenarbeit sind sich die beiden Länder nicht näher gekommen und ihre Bürgerinnen und Bürger kommunizieren nicht miteinander“ Dabei gibt es zahlreiche Möglichkeiten, das Partnerland kennenzulernen: 10 Alleo-Züge mit zweisprachigem Personal fahren jeden Tag über die Grenze. 2200 Städte und Regionen pflegen Partnerschaften.
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